Als 1913 das Krankenhaus »St. Georg« nach 5jähriger Bauzeit für 9 Millionen Mark im Norden Leipzigs errichtet worden war, verfügte die damalige Medizinische Abteilung (heute: Klinik für Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin) über 800 Betten. Der große Umfang wurde mit der überragenden Bedeutung der Infektionskrankheiten sowie der ständigen Seuchengefahr in der Stadt Leipzig infolge des Messebetriebes begründet. Außerdem galt traditionsgemäß die Innere Medizin als die "Mutter der Medizin ".
In den Krankenblättern der Anfangszeit finden sich Diagnosen, die heute zahlenmäßig eher eine geringe Bedeutung haben, wie Angina lacunaris, Mononucleose, Diphtherie, Scharlach, Meningitis, Glomerulonephritis, Tuberkulose, Typhus, Paratyphus und Ruhr. Aber auch Magen- Darmgeschwüre, Krebsleiden, Schlaganfall und Herzinsuffizienz führten häufig zur stationären Einweisung. Die Diagnosen Herzinfarkt, Lungenembolie und tiefe Beinvenenthrombose finden sich hingegen äußerst selten in den Statistiken. Nahezu alle Verstorbenen wurden auch in den späteren Jahrzehnten im hauseigenen Pathologischen Institut einer Obduktion unterzogen.
Für das heutige medizinische Personal ist interessant, daß Anamnesen, Verlaufsbeobachtungen, klinische Befunddokumentationen und Abschlußberichte äußerst genau, sehr umfangreich und handschriftlich abgefaßt wurden. Hingegen zeigen die sog. Kurvenblätter zwar exakte Temperatur- und Pulsangaben (3mal täglich!), aber nur sehr spärlich Eintragungen von Laborbefunden.
Physikalische Anwendungen wie Prießnitz-Wickel, Spezialbäder, Wadenpackungen, Rot- und Blaulichtbestrahlungen sowie Massagen nahmen einen größeren Umfang in Anspruch als medikamentöse Behandlungen. Unter den Arzneimittel-Verordnungen finden sich häufig Aspirin, Campher, Chinin, Digitalisauszüge, Teeaufgüsse und Rizinusöl.
Von 1913 bis zur Jahrhundertwende trugen 5 Chefärzte Verantwortung für die optimale Versorgung der Patienten. Jeder dieser leitenden Ärzte hat mit seinen Mitarbeitern Akzente gesetzt, die das Ansehen des Krankenhauses in der Bevölkerung gestärkt haben.
Unter der Leitung von Professor Dr. Wandel wurden 1923 erstmals im deutschsprachigen Raum Patienten mit Diabetes mellitus, deren Lebensdauer damals äußerst begrenzt war, mit selbst hergestelltem Pankreasextrakt (Auszug aus der Bauchspeicheldrüse), einer Art Insulin, erfolgreich behandelt (Dt. Med. Wochenschrift 1923, 49, 1253).
1932 erfolgte kurz nach Veröffentlichung im Schrifttum die Einführung der Knochenmarkentnahme mittels Sternalpunktion zum Zwecke der exakten Anämiediagnostik durch Professor Dr. Seyfarth. Darüber hinaus hat er das vorbildliche Verhalten am Krankenbett und den korrekten Umgang mit Patienten in seinem 1946 neu aufgelegten und aktualisierten Buch "Ärzte-Knigge" den nachfolgenden Generationen eindrucksvoll empfohlen.
Nach der Amtsübernahme von Professor Dr. Keller im Jahre 1951 wurde die Abteilung für Infektionskrankheiten nach Abtrennung von der Inneren Medizin mit 387 Betten gegründet und damit eine der größten diesbezüglichen Einrichtungen in Deutschland geschaffen (heute: 2.Klinik für Innere Medizin). Auch erfolgte dank seiner Initiative die Einrichtung eines selbstständigen Röntgen- und Strahleninstituts sowie eines Zentrallaboratoriums. Diese moderne Qualifizierung des Klinikums war damals für Deutschland beispielhaft.
Nach der Berufung von Professor Dr. Julich 1960 erhielt die Medizinische Abteilung den Status einer Medizinischen Klinik mit 420 Betten. Es wurde eine moderne Diagnostische Abteilung mit den Bereichen Kardiologie, Angiologie, Pulmologie, EEG, Endoskopie und Immunologie eingerichtet. Die Einführung des Linksherz-Katheterismus zur Vorbereitung auf Herzoperationen, die in den 60er und 70er Jahren im »St. Georg« durchgeführt werden konnten sowie die routinemäßige Anwendung des Rechtsherz-Katheterismus mittels Einschwemmtechnik waren damals Neuerungen von großer Bedeutung. Die Klinik entwickelte sich seit 1972 zu einem bedeutenden Pacemaker-Zentrum.





Mit der Berufung von Priv. Doz. Dr. med. habil. Thiele 1986 kam es zu einer umfangreichen Modernisierung der Klinik sowie einer erheblichen apparativen Erweiterung. Die Zahl der Patientenbetten reduzierte sich jedoch auf 174. Durch die Ernennung des Klinikums zum Akademischen Lehrkrankenhaus der Universität Leipzig 1993 wurde die studentische Ausbildung Schwerpunkt der täglichen klinischen Arbeit. Als bedeutende Innovation führte Thiele bereits 1966 die systemische Thrombolyse bei Patienten mit Herzinfarkt sowie tiefer Beinvenenthrombose erfolgreich ein. Auch die in Deutschland damals weitgehend unbekannte Behandlung von Herzinfarkt-Patienten mit Azetylsalizylsäure (Aspirin) wurde 1969 trotz heftiger Kritik erstmals routinemäßig eingesetzt (heute ein weltweit anerkanntes Verfahren). Mit großem finanziellen und personellen Aufwand erfolgte die Errichtung einer modernen internistischen Wachstation sowie einer Einheit für Patienten mit Schlaganfall (Stroke Unit). Die Klinik wurde in den 90er Jahren das deutschlandweit größte Zentrum für Herzschrittmacher- Patienten.