Endokrine Erkrankungen betreffen Erkrankungen von Schilddrüse, Nebenschilddrüse, Nebenniere, Darm und Bauchspeicheldrüse. Im Zuge von Qualitäts- und Sicherheitsnormen werden weltweit zunehmend Schwerpunktzentren für den Bereich endokrine Erkrankungen etabliert. Mit der neuen Abteilung am Klinikum St. Georg verfügt nun auch ein Leipziger Krankenhaus über eine derartige Schwerpunktabteilung. Die in der öffentlichen Meinung gemeinhin als einfache Schilddrüsenresektion bekannte Operation erfordert stets eine subtile Wertung der Befunde und eine entsprechend abgestimmte Therapieplanung. Insbesondere bei Tumorverdacht muss die Behandlung individuell gestaltet werden.
Für einzelne Tumore konnte die Heilungschance in den letzten Jahren von 30% auf über 60% gesteigert werden. Bei isolierten Befunden an der Schilddrüse können 10-20% der Fälle minimalinvasiv, offene Eingriffe mit Schnitten kleiner 3 cm geplant werden. Operationen an den Nebennieren können in 70-80% in Schlüssellochtechnik, d. h. laparoskopisch durchgeführt werden. Die Aufenthaltsdauer nach Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenoperationen liegt bei etwa 2-3 Tagen, nach Nebennierenoperationen bei 4-5 Tagen.
Ziel eines endokrinen Schwerpunktes ist auch, komplexere Erkrankungsbilder mit Beteiligung mehrerer Organe in Einzelfällen mit genetischen Ursachen zu erkennen und einer adaptierten familiären Abklärung und Behandlung zuzuführen. Ganz wesentlich ist eine multidisziplinäre Zusammenarbeit mit weiteren Fachbereichen, wie z. B. der Nuklearmedizin, der inneren Medizin, der Pädiatrie und anderen klinisch und wissenschaftlich arbeitenden Spezialdisziplinen.
Nur auf interdisziplinärer Ebene ist es möglich, für den einzelnen Patienten entsprechende Entscheidungen zu treffen. „Das ist ein großer Vorteil hier am Klinikum und einfach eine Notwendigkeit: Die Kooperation mit niedergelassenen Kollegen und der Universitätsklinik Leipzig spielt für die Planung der Diagnostik und ergänzende Therapien eine bedeutende Rolle. Regelmäßig werden im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen mit den einzelnen Disziplinen aktuelle Entwicklungen diskutiert. Beim Auftreten sehr seltener Tumore werden zusätzlich Kontakte zu speziellen Tumorregistern an anderen Universitäten genutzt“, führt Prof. Lamesch, der sein Medizinstudium an der freien Universität Brüssel absolvierte und seit 2005 zum Ärzteteam des Klinikums St. Georg gehört, aus.
Am Klinikum St. Georg werden jährlich im Schnitt 300 bis 500 endokrinchirurgische Operationen durchgeführt. Jedes Jahr ist die endokrine Chirurgie Thema eines Weiterbildungskurses für Assistenzärzte. In diesem Jahr findet der Kurs vom 04. bis 06. Dezember statt.
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