Leiden Sie unter verstärkter Schweißbildung in Achselhöhle und Handflächen? Tritt dieses lästige Problem unabhängig von der Jahreszeit und der Temperatur auf? Schwitzen Sie egal, ob Sie aufgeregt oder ganz ruhig und entspannt sind? Dann gehören Sie zu den 1-2% der mitteleuropäischen Bevölkerung, die an der "Hyperhidrosis-Krankheit" leiden.
Die Ursache liegt in einer Balancestörung des vegetativen Nervensystems, genauer in einer Überfunktion des sympathischen Nervensystems. Das vegetative oder autonome Nervensystem genannt kann durch unseren Willen nicht beeinflusst werden. Dies erklärt auch, warum die meisten Behandlungsversuche, vor allem nichtoperative, erfolglos bleiben. Nur die Ausschaltung des Nerven im Versorgungsbereich führt letztlich zum Ziel.
Das sympathische Nervensystem stimuliert die Bildung und Absonderung von Schweiß durch die entsprechenden Drüsen, die besonders gehäuft in der Achselhöhle, an Hand und Fußflächen vorkommen. Meistens klagen diese Patienten auch über kalte Hände und Füße, da der Nerv auch eine Kontraktion der glatten Gefäßmuskulatur und damit eine Gefäßverengung bewirkt. Besonders Patienten mit verstärkter Schweißabsonderung der Hände und Achselhöhlen sind in ihrer Berufsausübung und ihren sozialen Kontakten stark eingeschränkt. Häufig ergeben sich daraus auch psychische Probleme.
Zunächst muß eine sekundäre Form der Hyperhidrosis ausgeschlossen werden, d. h. eine Schilddrüsenüberfunktion(Hyperthyreose), spezielle hormonabsondernde Tumore (Phäochromozytom, Karzinoid), die aber sehr selten auftreten, direkte Verletzungen des Sympathicus-Nerven(Unfall) aber auch psychische Störungen(Angstsyndrome) können die gleichen Beschwerden hervorrufen. Durch Behandlung der Grunderkrankung verschwinden die Beschwerden.
Handelt es sich um eine echte Hyperhidrosis, sollten zunächst alle konservativen Behandlungsmethoden ausgeschöpft werden. Eine zentrale Position nimmt hierbei der Hautarzt ein, da sich der Patient wegen des lästigen Schweißes in der Regel zuerst an ihn wendet.
Lokale Anwendungen antibakterieller Puder und Deodorants auf der Basis von Aluminiumoxid können die Beschwerden lindern.
Die Schweißbildung an Händen und Füßen kann durch Gleichstrombäder(Iontopherese) gemildert werden. Die Bäder müssen ständig wiederholt werden.
Durch die Einnahme von Tabletten(Anticholinergika, z.B. Sormodren® oder dem Ulcustherapeutikum Vagantin®) kann das sympathische Nervensystem und damit die Schweißbildung gehemmt werden. Von Nachteil sind deutliche Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit und Trockenheitsgefühl. Die Fahrtüchtigkeit ist wegen der Wirkung auf das Zentralnervensystem beeinträchtigt.
Achselschweiß kann seit einiger Zeit durch die Injektion von Botulinustoxin(Botox®) erfolgreich behandelt werden. Die Injektion eines stark verdünnten Nervengiftes in das Unterhautfettgewebe führt durch Blockade der Nervenleitung zum Stop der Schweißproduktion. Die Wirkung hält 6-9 Monate an. Danach muß erneut gespritzt werden. Die Behandlung ist teuer und muß in den meisten Fällen vom Patienten selbst getragen werden.
Als ambulante chirurgische Behandlungsmethode wird die axilläre subkutane Kürettage angeboten. Es handelt sich um eine Kombination zwischen Absaugung des Achselfetts und einer mechanischen Durchtrennung der sympathischen Nervenausläufer. Die Erfolgsquote liegt bei ca. 50%. Als Komplikationen können Blutergüsse, Gewebeverfestigung und Infektionen auftreten.
Alle bisher genannten Behandlungsverfahren beseitigen nicht die Ursache der vermehrten Schweißbildung. Sie lindern lediglich die Beschwerden!
Eine echte chirurgische Therapie ist aber erst in Betracht zu ziehen, wenn alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sind und der Patient keine spürbare Linderung verspürt.
Endoskopische transthorakale Sympathektomie - ETS
Es handelt sich um ein schonendes chirurgisches Verfahren, das in Vollnarkose unter vollstationärer Behandlung durchgeführt wird. Die ETS ist zur Zeit die einzige Therapieform, mit der die Ursache der vermehrten Schweißbildung beseitigt wird. Die Langzeit-Erfolgsquote ist mit 95-98% sehr hoch.
Die Operationsmethode nutzt die Technik der Schlüssellochchirurgie. Dadurch entstehen kleine Operationsnarben mit sehr gutem kosmetischen Ergebnis.
Der Patient kann nach dem Eingriff schnell seine gewohnten Aktivitäten wieder aufnehmen. Prinzip des ETS-Verfahrens ist die Freilegung des sympathischen Nervengeflechts(Grenzstrang) im Brustkorb zwischen 2. und 3. Rippe, 3. und 4. Rippe oder 2. und 4. Rippe in Abhängigkeit von der Lokalisation der Erkrankung. Der Grenzstrang wird durchtrennt oder mittels Metall-Clip gequetscht. Die Nervenquerverbindungen werden ebenfalls durchtrennt oder koaguliert und der freigelegte Grenzstrang entfernt. Dieser Bereich des Nervengeflechts, unmittelbar neben der Wirbelsäule gelegen, ist für die vermehrte Schweißbildung von Achselhöhle und Handfläche verantwortlich. Der Behandlungseffekt tritt sofort nach der Operation ein. Mit der "Trockenlegung" von Achselhöhle und Handfläche und dem Wegfall der Gefäßwandverengung kommt es auch zu einer spürbaren Erwärmung von Handflächen und Fingern als Zeichen des Therapieerfolgs.
Das ETS-Verfahren wird in unserer Klinik seit mehreren Jahren erfolgreich angewendet. Sollte diese Therapieform für Sie in Frage kommen, wenden Sie sich an ihren Hautarzt, der eine Überweisung in unsere Ambulanz vornehmen kann. Sie können sich aber auch direkt an unsere Klinik wenden.
weitere Informationen:
Städt. Klinikum St. Georg Leipzig, Klinik f. Thorax-und Gefäßchirurgie
Tel.: 03419092246 (Sekretariat)
Fax: 03419092253
Tel.: 03419092244 (thoraxchirurg. Sprechstunde)
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