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Orthoplastisches Kompetenzzentrum

Die Unfallversorgung von Schwerverletzten in Deutschland ist durch die Traumanetzwerke der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) strukturiert. Die DGU organisiert die Versorgung in lokalen, regionalen und überregionalen Traumazentren (ÜTZ).

Aufgrund der aktuellen Herausforderungen, die auf unser Gesundheitssystem treffen, haben sich die DGU und die Deutsche Gesellschaft für Plastische Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (DGPRÄC) zusammengeschlossen, um die Versorgungmöglichkeiten weiter zu verbessern und transparenter zu machen. Gemeinsam gründen sie Orthoplastische Kompetenzzentren (OPZ).

In den OPZs kann ein ÜTZ mit zusätzlicher plastisch-chirurgischer Kompetenz als ein interdisziplinäres Zentrum zertifiziert werden. Ziel ist es, die Patientensicherheit und Versorgungsqualität bei schweren Extremitätenverletzungen signifikant zu optimieren.

Das Klinikum St. Georg wurde zu dieser Zertifizierung als eine von nur sechs exklusiven Pilotkliniken ausgewählt.

Parallele Zusammenarbeit der Orthopädie und plastischen Rekonstruktion

Traditionell wurden die knöcherne Versorgung und Weichteilrekonstruktion zeitlich und organisatorisch voneinander getrennt behandelt. Dabei zeigte sich jedoch, dass eine fehlende Gewebeperfusion, Infektionen und verzögerte Heilung die Komplikationsrate erhöhen.

Der orthoplastische Ansatz löst diese Trennung auf: Orthopädisch-unfallchirurgische und plastisch-rekonstruktive Maßnahmen finden synchron oder in enger zeitlicher Abfolge statt. Das bedeutet beispielsweise, dass in einem One-team Approach ein unfallchirurgisches Team den Knochen stabilisiert, während parallel die Plastische Chirurgie mit Lappenplastiken oder mikrochirurgischen Techniken die Weichteile rekonstruiert.

Vorteile durch die unmittelbare, gemeinsame Behandlung

  • Behandlungszeit verkürzen
  • Komplikations- und Infektionsraten reduzieren
  • Amputationsrate senken
  • Gliedmaßen retten und Funktionen erhalten
  • Versorgungsqualität verbessern
  • Resilienz des Gesundheitswesen in 3K-Situationen (Krise, Krieg, Katastrophe) stärken

HINTERGRUND: Warum die Struktur lebenswichtig ist

Der Start der Pilotphase im Juni 2026 ist Teil einer bundesweiten Strategie der medizinischen Fachgesellschaften (DGOU, DGU und DGPRÄC). Ziel ist es, langfristig in jedem deutschen TraumaNetzwerk mindestens ein solches orthoplastisches Kompetenzzentrum zu etablieren. Dahinter steckt auch eine Reaktion auf veränderte globale Sicherheitslagen:

  • Lehren aus dem Ukraine-Krieg: Die Erfahrungen aus aktuellen Konflikten zeigen eine drastische Zunahme komplexer Explosions-, Splitter- und Mehrfachverletzungen. Solche Muster verlangen zwingend die kombinierte Expertise aus Knochen- und Weichteilspezialisten ab der ersten Minute im Schockraum.
  • Vorbereitung auf den Ernstfall: Das neue System soll die Resilienz des deutschen Gesundheitswesens in sogenannten 3K-Situationen (Krise, Krieg, Katastrophe) sichern, damit das Land auch bei außergewöhnlichen Massenanfällen von Schwerstverletzten handlungsfähig bleibt.

Als wissenschaftliche Grundlage für diesen bundesweiten Ausbau diente das Innovationsfondsprojekt EXPERT, das über ein digitales Extremitätenboard bereits erfolgreich 32 Kliniken bei der Behandlung komplexer Verletzungen vernetzt hat.

Prof. Ulrich Kneser (Vizepräsident der DGPRÄC), Prof. Tobias Hirsch (Sprecher der AG Orthoplastik [DGPRÄC]), Prof. Thomas Kremer (Chefarzt der Klinik für Plastische und Handchirurgie, Klinikum St. Georg), PD Dr. Jörg Böhme (Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und spezialisierte septische Chirurgie, Klinikum St. Georg), Prof. Steffen Roßlenbroich (Sprecher der AG Orthoplastik [DGU]) und Prof. Frank Hildebrandt (Präsident der DGU]). v.l.n.r.
Fünf männlich gelesene Personen in Anzügen halten ein Zertifikat in die Kamera.

Kontextspalte

Chefarzt Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Spezialisierte Septische Chirurgie
PD Dr. med.
Jörg Böhme Delitzscher Str. 141
04129 Leipzig Tel.: 0341 909-3424
Zertifikat Orthoplastisches Kompetenzzentrum im TNW Deutschland