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Häufige Schwindelursachen

Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS)

Hierbei handelt es sich um einen plötzlich einsetzenden Drehschwindel, der durch eine Lageveränderung des  Kopfes ausgelöst wird. Der BPLS entsteht, wenn sich Teile des Gleichgewichtsorgans (Otolithen) aus ihrem Verbund in den Bogengängen lösen und im Zuge der Lageveränderung die Sinneszellen irritieren. Typischerweise dauert der Schwindel in der Regel nur wenige Sekunden bis Minuten (maximal etwa 2-3 Minuten) und beruhigt sich, sobald sich die „Steinchen“ wieder am Boden absetzen. Diese Schwindelart geht oft mit Übelkeit und teilweise Erbrechen einher. Die Gründe für das Herauslösen der Otolithen können vielfältig sein.

Aus der Schilderung der typischen Beschwerden ergibt sich die Verdachtsdiagnose, welche durch ein Lagerungsmanöver (nach Dix-Hallpike) bestätigt wird.  Dabei  wird der positionsabhängige Schwindel ausgelöst und ein typischer Nystagmus (ruckartige Augenbewegung) kann nachgewiesen werden.  Die Therapie besteht dann ebenfalls in der Durchführung ähnlicher „Befreiungsmanöver“ (z.B. nach Sémont oder Epley), um die Otolithen wieder aus dem Bogengang auszuschwemmen. Je nach betroffenem Bogengang sind dies verschiedene Manöver, welche Sie in den Downloads als Text- und Videodatei finden können.

Gangunsicherheit und Schwindel bei sensibler Deafferenzierung

Die Sensorik beschreibt grob gesagt die Aufnahme von Reizen von der Haut, Sehnen und Muskeln sowie die Weiterleitung dieser Reize zum Rückenmark und zum Gehirn, wo die Verarbeitung stattfindet. Bei Störungen der Sensorik “spürt“ der Körper quasi die Position der Extremitäten im Raum nur vermindert oder gar nicht. Daraus kann Schwindel oder vor allem eine Gangunsicherheit resultieren. Gründe für derartige Störungen sind beispielsweise eine Polyneuropathie, eine Funikuläre Myelose oder eine Spinalkanalstenose. Neben der Ursachenforschung und Behandlung der Grunderkrankung steht vor allem die Gangschule therapeutisch im Vordergrund.

Morbus Menière

Beim Morbus Ménière handelt es sich um eine anfallsweise auftretende Erkrankung des Innenohres, die zumeist mit der typischen Symptomkonstellation

  1. plötzlich eintretender Drehschwindel (Dauer etwa 30 Minuten bis zu mehreren Stunden) mit
  2. rauschendem einseitigen Ohrgeräusch (Tinnitus) und
  3. akuter Hörminderung (meist in den tiefen Tönen) einhergeht. Auch wird gehäuft ein
  4. „Gefühl, als ob etwas im Ohr drücke“ („Aural fullness“) beschrieben.

Man geht davon aus, dass es aufgrund eines Überdrucks im Innenohr zu einer kurzzeitigen Vermischung der verschiedenen Innenohrflüssigkeiten (Endolymphe und Perilymphe) kommt. Erst nach Wiederherstellung des richtigen Verhältnisses zwischen beiden Innenohrflüssigkeiten enden die Symptome.

Es kann sich um ein einmaliges Ereignis handeln. Es sind aber auch seltenere schwere, über Jahre andauernde wiederkehrende Verläufe beschrieben, die im Laufe der Zeit zu einer zunehmenden Schwerhörigkeit führen.

Bisher liegt kein verlässliches Medikament vor, um - statistisch nachweisbar - die Anfallswahrscheinlichkeit zu reduzieren oder gar die Erkrankung zu heilen. Nur sehr selten sind eine Operation oder eine medikamentöse Therapie zur „Stilllegung“ des Innenohres vonnöten, da diese auch immer mit dem Verlust des Resthörempfindens einhergehen (können).

Neuropathia vestibularis / Vestibularisausfall

Unter einer Neuropathia vestibularis versteht man eine Unterfunktion oder einen Ausfall des Gleichgewichtsorgans bzw. des vestibulären Anteils des VIII. Hirnnerven (Nervus vestibulocochlearis).

Typischerweise zeigt sich ein Drehschwindel, welcher meist plötzlich einsetzt und unabhängig von der Lage anhält. Oft kommt es zusätzlich zu Übelkeit und Erbrechen sowie zu einer Fallneigung auf die betroffene Seite. 

Die Gründe für die Erkrankung sind vielfältig. So können Viren und Bakterien zu einer Nervenentzündung führen oder eine kurzfristige Minderdurchblutung kann einen kompletten Funktionsausfall herbeiführen. In der Regel ist die Neuropathia vestibularis gut durch Kortisonpräparate und Gleichgewichtsübungen therapierbar, sodass es mit individuellem Unterschied meist rasch zur Erholung der Gleichgewichtsfunktion kommt. Tritt ein wiederholter Ausfall auf, ist eine weiterführende Diagnostik nötig.

Somatoformer Schwindel

Schwindel kann aufgrund somatischer (körperlicher) Ursachen entstehen oder auch aufgrund psychischer Ursachen. Zeigen sich bei PatientInnen mit Schwindelbeschwerden nach eingehender Anamnese und Untersuchung keine somatischen Ursachen, so bezeichnet man diesen Schwindel im Allgemeinen als somatoformen oder psychogenen Schwindel. Schätzungsweise bis zu 30% aller Schwindelerkrankungen können dem somatoformen Bereich zugeordnet werden. 

Vergesellschaftet sind diese Schwindelformen oft mit psychischen Grunderkrankungen wie Angsterkrankungen, Panikstörungen, Depression, Burnout oder Belastungs- bzw. Anpassungsstörungen. Andererseits können PatientInnen, die in der Vergangenheit eine „somatische Schwindelursache“ durchlebt haben (BPLS, Neuropathia vestibularis etc.), auch eine Art Schwindelgedächtnis ausbilden. Man spricht auch von einer Chronifizierung des Schwindels. Ein sozialer Rückzug durch Vermeidungsverhalten kann die Folge sein. Dann können bereits bestimmte Situationen wie beispielsweise das Betreten einer Brücke, Auto fahren, leere Räume oder große Menschenansammlungen ein Auslöser für derartige Schwindelbeschwerden sein. Typischerweise zeigen PatientInnen mit somatoformem Schwindel einen unauffälligen HNO-ärztlichen und neurologischen Untersuchungsstatus.

Wichtig ist, dass nicht vorschnell die Diagnose des somatoformen Schwindels gestellt wird. Zunächst sollten eventuell vorliegende somatische Ursachen abgeklärt und ausgeschlossen werden.

Therapeutisch werden hier die Aufklärung der Patienten über die Diagnose, psychotherapeutische und physiotherapeutische Ansätze sowie medikamentöse Therapieansätze favorisiert. Insgesamt zeigt sich eine gute Therapierbarkeit.

Sonstiges

Neben den bereits genannten Ursachen können weitere Faktoren zu Auftreten von Schwindel führen. Solche Faktoren können Nebenwirkungen von Medikamenten, Polypharmazie („zu viele verschiedene Medikamente“), Probleme mit der (Hals-)Wirbelsäule, Tumoren, Unfälle und deren Folgen oder Durchblutungsstörungen wie beispielsweise bei einem Schlaganfall sein. Bei entsprechenden anamnestischen, klinischen und diagnostischen Hinweisen wird eine spezifische Abklärung weiter durchgeführt.

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